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Düsseldorfer Volksavantgarde Chor mit Andrej Mogutschi
Düsseldorfer Volksavantgarde Chor, Andrej Mogutschi, Josef K., Stefan Schmidtke, Boris Godunow, Moritz Löwe, Europäischen Preis für Neue Theaterrealität,
Andrej Mogutschi inszenierte mit dem Düsseldorfer Volksavantgarde Chor am Düsseldorfer Schauspielhaus (Düsseldorf) das Fragment-Stück "Der Prozess" nach Franz Kafka.
Zwei Tage nach der Premiere (15.09.2012) stellte sich Andrej Mogutschi in einem 30-minütigen Interview der Art-Journalistin Karin Schedler (Kulturjournalist & ehem. WDR/SWF).
(Simultan übersetzt wurde das Gespräch von dem Dramaturgen Stefan Schmidtke).
Er bezog Stellung zu diversen schon in der Presse diskutierten Fragen und Kritik-Versuchen.

Was das Schauspielhaus Düsseldorf und dessen Intendanten Holm angehe, entgegnete er, dass es ihm gefalle "an Projekten zu arbeiten, in denen es eine Passion gibt, eine Energie ..." und dass er "eine Inszenierung für eine Stadt (Düsseldorf) gemacht" habe und deshalb gäbe es "einen grossen Chor (Düsseldorfer Volksavantgarde Chor)und das wären Düsseldorfer ...". Das wäre ihre Inszenierung.
Zugleich interessiere er sich immer mehr für "Theater, das auf viele Menschen einwirkt und das die Wirklichkeit selber damit auch beeinflussen kann".

In verschiedenen Medien wurde angemerkt, dass der Hauptdarsteller Carl Alm als Josef K. "leise mit Akzent" spräche. Insofern war Mogutschi wichtig, dass "Josef K. ein anderer ist, dass er nicht einem anderen um sich herum ähnele".

Bilder erdrücken Kafkas Text
VON ANNETTE BOSETTI (rp-online.de) - zuletzt aktualisiert: 17.09.2012 - 02:30
Düsseldorf (RP). Das Theater ist ein Universum. In diesem Universum liegt ein geiler Planet. Der einzige Nichtgeile auf diesem geilen Planeten ist Josef K., bekannt aus dem Romanfragment "Der Prozess". Er wird sterben und bis zu dem Moment, da man ihm die Gurgel durchschneidet, nach der Frage seiner Schuld suchen. "Ein Mensch ist nie frei von Schuld", heißt es bei Kafka.
In Düsseldorf zeichnet der russische Regisseur Andrej Mogutschi zur Spielzeiteröffnung die letzte Nacht von Josef K."s Leben nach. Sein surreales Drei-Stunden-Theater ist weit entfernt von der Rekonstruktion der literarischen Vorlage, die aus 16 unnummerierten Einzelkapiteln besteht, ein Stationendrama ist einst Markenzeichen des Expressionismus. Zwei russische Autoren haben einen Subtext unter die dramatisierten Kafka-Fragmente von 1915 gelegt. So erlebt der Zuschauer vor allem die Fantasien, die Alpträume und Illusionen eines Mannes, dessen Leben kaleidoskopisch noch einmal zusammengesetzt wird. Ein "geiles" Welten-Puzzle in Schwarz-Weiß-Rot.
...
Josef K. wandert verhalten durch wundersame Welten, trifft auf Kuhherden und nackte Menschen, und einmal ruht er sich aus im Arm eines Riesenbabys. In diesem zutiefst poetischen Bild schließt sich der Lebenskreis, hier ist endlich Vergewisserung, und Angst bleibt außen vor. Doch es ist erst Halbzeit.
Der Finne Carl Alm spricht als Josef K. leise mit Akzent. Fräulein Bürstner (Patrizia Wapinska) läuft als Jungstudentin über die Bühne, Betty Freudenberg ist die dralle Leni, Sven Walser ein abgetakelter Advokat, Claudia Hübbecker die statuarische Mutter, Dirk Ossig ein fordernder Onkel. Moritz Löwe, Jonas Anders, Taner Sahintürk, Pierre Siegenthaler, Christian Ehrich, Jonas Kerl, Bettina Kerl und Markus Danzeisen sie alle nehmen sich zurück, bleiben der Maxime untergeordnet, die lautet: Es regiert das Bild. Daher fühlt sich "Der Prozess" viel zu lang an und lässt viel Literatur als Leerstelle. Das ist schade.

http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/duesseldorf/nachrichten/kultur/bilder-erdruecken-kafkas-text-1.2996466

Andrej Mogutschi, geboren 1961 in Leningrad (St. Petersburg), ist einer der innovativsten Theaterregisseure Russlands. Von der experimentellen Arbeit mit seiner eigenen Truppe, als Formalny Teatr 1989 gegründet, über Oper, Neuen Zirkus, Massenspektakel bis hin zu Arbeiten an großen Schauspielhäusern Russlands, setzt er Klassiker und zeitgenössische Stücke formenreich in Szene. Die FAZ beschrieb ihn als «visionären Poeten». Wichtige Stationen sind seine Straßenperformance von Orlando Furioso in St. Petersburg, die international viel gezeigte und ausgezeichnete Inszenierung von Sascha Sokolows Schule der Dummen sowie eine Boris Godunow Operninszenierung im Hof des Kremlpalastes. Seit 2004 ist er Hausregisseur am Alexandra-Theater in St. Petersburg. Er erhielt mehrmals Die Goldene Maske, den wichtigsten russischen nationalen Theaterpreis. Im Jahr 2011 wurde er mit dem Europäischen Preis für Neue Theaterrealität geehrt.

http://duesseldorfer-schauspielhaus.de/de_DE/Vorstellungen/Der_Prozess.859993

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