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Alexander Kluge und Anselm Kiefer - Früchte des Vertrauens
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In erster Linie sei Kluge ein Buchauthor – jüngst hätte er Bücher mit / über Gerhard Richter und Anselm Kiefer geschrieben („hätte er für sie gemacht“) –

dies hätte er zeitlebens betrieben (das Bücher schreiben).
Aber dann mache er auch Filme – d.h. Bücher und Filme – nicht parallel und zeitgleich – „das ginge nicht“.

Außer dem Mut (dem Heine´schen Angriffsgeist) wäre in unserer Zeit Gründlichkeit notwendig - für alle gäbe es „Kurze Nachrichten“ – so auch in YouTube - aber

auch YouTube wäre voller Substanz – was sehr gut wäre.
Minuten Filme habe er schon immer gemacht: „der Augenblick muss beim Schopfe gefasst werden“, aber gleichzeitig wäre heute Gründlichkeit erforderlich.

Hinsichtlich der unterschiedlichen Wirkung von Büchern und Filmen erinnerte er an ein DCTP Film Projekt hier in Düsseldorf: „Früchte des Vertrauens“ - 10

Stunden Filmmaterial über die Finanzkrise - diese könnte man nun perspektivisch von allen Seiten sehen und nicht nur vom Tagesgeschäft her. D.h. er stellte

die Möglichkeit der inhaltlich und formell applizierbaren Mehrdimensionalitaet des Films heraus – was in diesem Maße nicht mit einem Buch machbar wäre - auch

nicht mit einem dicken Buch. Erst ein Film mit z.B. Musik und verschiedenartigen Stil- und Präsentationsebenen führe zu vollen Kinos.

Wie z.B. 1929 das Werk von Eisenstein, der ein Projekt angefangen hätte mit dem Ziele, das Kapital zu „verfilmen“ - mit der Vorstellung James Joyce wäre sein

Author.
So sind 9.5 Stunden Film enststanden – mehrere Filme. Und so ein Film würde ganztägig in Peking an der Uni aufgeführt und danach kommunizierten und

diskutierten die Chinesen via Skype – und öffneten sich damit „der“ und gingen damit „in“ die moderne Medienwelt hinein – und das seitlich von Hollywood.

Zugleich seien sie schutzgeimpft gegenüber der Brutalität der Kulturrevolution - doch sie fänden auch: Irgendetwas war da dran an unserer selbstbewußten

Kulturrevolution 1949 – d.h. sie möchten nicht alles ausverkaufen.

Hierüber könne man ja eine Geschichte schreiben, wie z.B. über den Gouverneur, der sich im Gefängnis das Leben nahm, weil er Pensionsfonts ins Land hinein

ließ, die nach Indien gegangen wären - und das das sein Ruin gewesen wäre.
Und der Sohn wäre Chef des Rechnungsprüfungsamtes geworden und hätte die erfahrenen chinesischen Marxisten nach New York geschickt, damit die Kapitalisten da

erst mal richtig lernen könnten, was Kapitalismus wäre. Sowas ließe sich literarisch schon schreiben, zumal es auch eine wahre Geschichte sei.

Hierzu könnte man auch was „Gründliches“ machen - in 9,5 Stunden, und dann mit Interesse rechnen. Diese Seite - gründlich zu sein – käme zum Mut hinzu – in

dieser beschleunigten Welt. Und wenn das Schiff zu schnell vor dem Sturm dahinsegelte, wäre es auch gefährlich.

Bezüglich des Bauernthemas im Interview mit Kahl (2002) statete er: er ackere auf den Feldern der Erfahrung – und bzgl. des Diktates der digitalen Medien: es

wäre dort genauso. Ein Bauer wäre in ihm – wie jeder einen Bauern in sich hätte – auch sein Vater, der Arzt war, hatte diesen in sich.
Man brauche in einer Welt der Beschleunigung „innere Ruhe“ – und man müsse sich einen Moment „daneben“ stellen – und das wäre (führe zu) Aufmerksamkeit -

dafür wären die Künstler da, (bzw. hätten an der Umsetzung des „sich daneben Stellens“ ihren Anteil).

Angesprochen auf sein Zitat zu „Asterix als Partisan“ in dem o.g. Interview (und „die Gallier ließen sich ihre Selbstständigkeit nicht nehmen“) führte er an,

dass er derzeit einen neuen Film mit Helge Schneider mache, der einen Studiendirektor aus Mülheim spielen würde. Und dieser Direktor sei der Vorsitzende des

Varus-Vereines und würde die Meinung und Perspektive vertreten: „Wenn Varus die Schlacht im Teuteburger Wald gewonnen hätte, wären wir vielleicht ein

zivilisierteres Land geworden“. Auch Heine hätte dies wohl für „gut“ gefunden - wenn hier etwas mehr Latein ins Land gegangen wäre.

Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, promovierte 1956 über die "Universitäts-Selbstverwaltung" zum Dr. jur., einem Thema, das bald darauf politisch brisant wurde. Er wurde juristischer Berater des Frankfurter Instituts für Sozialforschung und sehr bald Vertrauter von T.W. Adorno. Anfang der 60er Jahre wurde K. gleichzeitig als Schriftsteller und Filmemacher bekannt: 1962 liest er bei der Gruppe 47 aus dem Band Lebensläufe und veröffentlicht zusammen mit 25 jungen Filmern das Oberhausener Manifest, 1966 erhält er als erster Deutscher nach dem Krieg den Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig für Abschied von Gestern mit Alexandra Kluge in der Hauptrolle. Damit öffnet sich in Europa eine Tür für den Neuen Deutschen Film, als dessen spiritus rector man Kluge bezeichnen darf, insofern er seine ganze Kraft einsetzt, diese Individualisten des Kinos zusammenzuhalten und institutionelle, finanzielle Absicherungen für einen deutschen Autorenfilm herzustellen (Gründung des Ulmer Instituts für Filmgestaltung 1962, Rahmenabkommen Film / Fernsehen 1974). Es geht, wie Kluge als Kritischer Theoretiker weiß, niemals nur um das Gelingen einzelner Werke, sondern nötig ist die Herstellung einer authentischen Öffentlichkeit, einer stabilen Verbindung mit dem Publikum, und das können einzelne nicht alleine.

http://www.kluge-alexander.de/zur-person.html

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