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Live Art with Bertram Müller and Marina Abramovic im Folkwang
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Mit dem live art Projekt 12 rooms im Museum Folkwang (u.a. Marina Abramovic und nackte frau, Kuratoren: Klaus Biesenbach und Hans Ulrich Obrist) setzt sich auch Bertram Müller, als ein Vertreter der führenden NRW Presseorgane, thematisch auseinander und präsentiert einen Versuch, die quasi neue Kunstform live art in ihrer Bedeutung zu erfassen - zumindest zu beschreiben.
(Zehn Tage lang präsentieren 12 internationale Künstlerinnen und Künstler - wie Tino Sehgal, Marina Abramovic oder Damien Hirst - im Museum Folkwang den Museumsraum als Bühne.
Kuratoren Klaus Biesenbach (MoMa PS1, New York) und Hans Ulrich Obrist (Serpentine Gallery, London) konzipiert.)

Live Art: Menschen als Kunstwerke
VON BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 18.08.2012 - 14:13

Essen (RP). Was zuvor in Manchester Massen in die dortige Art Gallery strömen ließ, verspricht jetzt auch im Essener Museum Folkwang ein Besuchermagnet zu werden: In zwölf Räumen bilden nicht Gegenstände, sondern Menschen jeweils ein Kunstwerk. Einige der Darsteller sind nackt.

Sie gehen ins Museum, öffnen dort die Tür zu einem Ausstellungsraum, treten ein und auf einmal stehen Sie vor einer Ihnen unbekannten nackten Frau. Andere Menschen sind nicht zugegen eine intime Zusammenkunft, die nicht geplant war. Was wie die Beschreibung eines Bildes von Salvador Dalí klingt, wird jetzt im Essener Museum Folkwang mehrfach am Tag Wirklichkeit.

Die beiden derzeit bekanntesten Kuratoren der Welt, Klaus Biesenbach aus New York und Hans Ulrich Obrist aus London, bieten unter dem Titel "Zwölf Räume" eine Art von Kunst auf, wie man sie zwar schon seit den 1960er Jahren in Einzelinszenierungen kennt; doch erst in jüngerer Zeit ist diese Kunst aus Menschenleibern zu einem Begriff geworden, der mit der Ausstellung "Zwölf Räume" von Manchester über Essen und Sydney nun um die Erde zieht: "Live Art".

Nicht alle Träume der beteiligten Künstler sind wahr geworden. Der Amerikaner John Baldessari ist erneut mit seinem Wunsch gescheitert, dem Publikum eine Leiche vorzuführen. Doch "Live Art" bedeutet nicht zwangsläufig Tabu-Bruch. Das bezeugt Damien Hirst, der einst mit seinen in Formaldehyd eingelegten Tierkadavern bekannt wurde, durch seinen Essener Beitrag: Gleich frisierte, identisch gekleidete eineiige Zwillinge lesen unterhalb zweier sich nur unmerklich unterscheidender Punkte-Bilder das gleiche Buch. Man darf die beiden ruhig ansprechen, sie stehen tapfer Rede und Antwort zu ihrem seltsamen Job.

Nur einer der Darsteller in den zwölf Räumen ist angewiesen, den Mund zu halten: ein junger Soldat in Bundeswehruniform, der sich in eine Ecke des Zimmers verdrückt hat. Der Titel dieses Live-Art-Werks von Santiago Sierra lautet: "Veteranen aus Kriegen in Jugoslawien, Bosnien, Kosovo, Serbien und Somalia mit Blick zur Wand".

In keinem der zwölf Fälle spielt der Künstler selbst in seiner Inszenierung mit. Immer sind Darsteller am Werk, auch in Roman Ondáks "Tausch": Hinter einem winzigen Tisch sitzt ein junger Mann, erkundigt sich neugierig danach, was die Damen, die den Raum betreten, in ihren Handtaschen mit sich führen, lässt sich ein Teil aushändigen und tauscht es gegen einen Gegenstand, den er der vorigen Besucherin abgeluchst hat: Serviette gegen Erfrischungstuch.

Im Raum "Leuchtkraft" von Marina Abramovi sieht man sich urplötzlich einer angestrahlten nackten Frau gegenüber, die auf einem schmalen Sattel sitzend mit ausgestreckten Armen wie eine Gekreuzigte wirkt. Unweit davon scannt in einem anderen Raum "Spiegel-Check" eine Nackte ihren Körper Stück für Stück mit einem Handspiegel der Amerikaner Joan Jonas hat sich das ausgedacht.

Auch wo kein Akt den Gast überrascht, glaubt der Besucher jedes Mal, er habe gerade die Tür zu einem Raum geöffnet, der nicht für ihn bestimmt ist. Als störend empfindet man sich in dem von Simon Fujiwara errichteten Solarium, in dem ein Mann französische Vokabeln paukt, ebenso wie angesichts der Verrenkung, zu der Xu Zhen aus Shanghai seinen Darsteller nötigt: Eine Person schwebt längere Zeit mit nach hinten geneigtem Rücken über dem Boden, den nur die Füße berühren körperlich fast unmöglich. Was steckt wohl dahinter?

Und was ist der Sinn der "Zwölf Räume"? Die beiden Kuratoren sehen das Verbindende in der "gewissen Intimität", zu der sich all die Türen der Ausstellung öffnen. Die Schau lädt ein zu Blicken, die nicht üblich sind, die sich auch nicht gehören.

"Live Art" eine Kunstform der Zukunft? Biesenbach und Obrist verweisen stolz darauf, dass sich bei der ersten Station der Wanderausstellung in Manchester Besucherschlangen vor der Art Gallery bildeten, obwohl die Schau mangels eines Werbeetats nicht auf sich hatte hinweisen können. Biesenbach glaubt, dass jede weitere Ausstellung die Spielregeln verändere. Und schon in Essen ist ein Künstler mit einem neuen Raum hinzugestoßen: Damien Hirst. Obrist ergänzt: "Die Recherche geht weiter."

Ob sich die Kuratoren vorstellen können, selbst einmal als Darsteller in einem der zwölf Räume aufzutreten? Beide lehnen brüsk ab: "Wir sind weder Schauspieler noch Tänzer, noch Künstler." Solch ein Auftritt erfordere ja auch eine Qualifikation, das könne man nicht einfach nebenher erledigen.

Wer die "Zwölf Räume" erleben will, muss sich beeilen. Denn diese personalintensive Ausstellung zwischen Kunst, Schauspiel und Performance währt nur bis zum 26. August. Dann werden die Darsteller vermutlich drei Kreuze schlagen, obwohl pro Raum jeweils mehrere Teams im Einsatz sind.

Beobachtung am ersten Tag: In den Räumen mit den Nackten sind die Besucher mucksmäuschenstill.

Zitat: http://www.rp-online.de/kultur/kunst/live-art-menschen-als-kunstwerke-1.2957076

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