CultrD.us

move

Der Prozess - Schauspielhaus Düsseldorf - Kuba und Mogutschi
Andrej Mogutschi, Der Prozess, Kuba, Schauspielhaus Düsseldorf, Franz Kafka, Carl Alm, Stefan Schmidtke, Schauspiel, Holm, Prozess, Andrej, Russland, Valdemar,
Im Schauspiel Düsseldorf unter Staffan Valdemar Holm eröffnete Andrej Mogutschi die Spielzeit mit der Inszenierung des Roman-Fragments "Der Prozess" nach Franz Kafka.
Im Foyer des Schauspielhaus Düsseldorf stellte sich Andrej Mogutschi in einem 30-minütigen Interview der Art-Journalistin Karin Schedler (ehem. WDR/SWF) (simultan übersetzt von Stefan Schmidtke)
Er bezog Stellung zu diversen schon in der Presse diskutierten Fragen und Kritik-Versuchen.

In verschiedenen Medien wurde angemerkt, dass der Hauptdarsteller Carl Alm als Josef K. "leise mit Akzent" spräche. Insofern war Mogutschi wichtig, dass "Josef K. ein anderer ist, dass er nicht einem anderen um sich herum ähnele".
Angesprochen auf seine Vita und insbesondere seine Ausbildung und Tätigkeit am Luftfahrtinstitut vermerkt er: dass "das, was ich tue - im besten Sinne des Wortes - von Herzen ist ... und das, was ich verarbeite, ist ehrlich ... und immer was ich fühle und ich wahrnehme kann ich auch nur zeigen ... aber ich bin so wie ich bin ... vielleicht ist das damit verbunden, dass ich und meine Kinder Jahre auf Kuba lebten ... Kuba - da gibt es - Kommunismus - Katholizismus - Voodooismus". Und das wäre schwierig "unter einen Hut" zubringen.

Konkret angesprochen auf den Umstand, dass es sich bei Düsseldorf um eine Stadt der "bürgerlichen Mitte" handle, erzählte er "eine Geschichte" und zwar die Geschichte über das erste Zusammentreffen mit dem Düsseldorfer Freundeskreis Schauspielhaus Düsseldorf: " ... und plötzlich sagt einer der Herrschaften, die schon im fortgeschrittenen Alter waren, ... mit seinen rheinländischen ... und sagte allen, die da saßen: das ist Einer von uns ... das ist doch die Heimat des Punks ... die Stadt in der Joseph Beuys aktiv war ...".

Ebenfalls konkret stellte er die Wirkungskräfte der "bürgerlichen Mitte" heraus: " ... die bürgerliche Mitte ist die [ beste ] Mitte, aus der Moderne entsteht ... " und verweist auf die natürlicherweise bestehende Eigenartigkeit, " ... wenn bürgerliche Kunst in einem antibürgerlichen Establishment entstehen würde ... ". Sie, die "bürgerliche Mitte", böte die Grundlage, "um sich dort mit Aktionismus zu beschaeftigen", so wie es in St. Petersburg auch geschähe.

Kafka in Düsseldorf
Mogutschi inszeniert "Der Prozess" - Erstellt 17.09.2012
Von Dorothea Hülsmeier (rundschau-online.de)

Düsseldorfs Intendant Holm vertraute die Spielzeiteröffnung dem St. Petersburger Avantgarde-Regisseur Mogutschi an, der in Russland für effektvolle und bildkräftige Inszenierungen bekannt ist. Und so brachte er auch hier das Theater zum "Explodieren".

Spätestens als eine überlebensgroße Babypuppe am Flügel sitzt, Josef K. das Klavier zertrümmert, staubige weiße Puppen herausfleddert, eine weiße Fassade zerschneidet und einen Kuhstall zum Vorschein bringt, versteht man, was der Düsseldorfer Intendant Staffan Valdemar Holm meinte. Der sagte nämlich, der russische Regisseur Andrej Mogutschi bringe das Theater zum "Explodieren". So ähnlich war es dann auch bei der Schauspielhaus-Premiere vom "Prozess" nach dem Romanfragment von Franz Kafka.

Holm vertraute die Spielzeiteröffnung dem St. Petersburger Avantgarde-Regisseur Mogutschi an, der in Russland für effektvolle und bildkräftige Inszenierungen bekannt ist. In Düsseldorf nutzte Mogutschi die Bühnentechnik weidlich aus und beschäftigte wochenlang mehr als 100 Leute vom Beleuchter bis zur Stuntfrau mit seiner aufwendigen und hochkomplexen Inszenierung.

Damit nicht genug. Eigens für den "Prozess" bildete Mogutschis Team aus 70 Düsseldorfern einen "Volksavantgardechor". Alle bekamen für die Inszenierung einen Schnellkurs in Sprechen, Singen und Spielen. Gekleidet in schwarze Anzüge, mit schwarzen Hüten und weißen Handschuhen mischte sich der Chor schon vor der Aufführung und in der Pause unters Publikum, besetzte die ersten Reihen im Parkett und war immer überall dabei.

...

Es wäre natürlich ein Leichtes gewesen, daraus eine regimekritische Parabel der jüngsten Justizskandale in Russland zu machen. Aber Mogutschi, der erstmals Kafka inszenierte, wollte ausdrücklich "weder politisch oder sozialkritisch noch esoterisch oder philosophisch" an Kafka herangehen. Ihm gehe es "um die Frage des Todes", sagte Mogutschi, und die gehe jeden an.

Vielleicht hat Mogutschi deshalb einen großen Laien-Chor gebildet, aus dem sich K. herausschält. Bevor es allerdings um den Tod geht, ist auf der Bühne eine Menge los. Collageartige Bühnenbilder, die Fotografie, Film und Texte Kafkas wie die Parabel "Vor dem Gesetz" zusammenführen, lassen die schauspielerische Leistung in den Hintergrund treten. Der phlegmatische Josef K., gespielt von Carl Alm, wird mitgerissen und als Marionette einer unbekannten höheren Macht schon am Anfang an Stahlseilen in sein Schicksal gehievt. Das Stück schwankt zwischen Slapstick, Groteske und deftiger Erotik. Grausames und Komisches vermischte auch Kafka (1883-1924), der das Kino liebte.

So ganz sicher war sich das Düsseldorfer Publikum nach drei Stunden nicht, was es nun von diesem russischen Kafka halten sollte. Aber der Applaus für alle dauerte dann viele Minuten, und am Schluss hieß es von einigen anerkennend: "Richtig Theater!" (dpa)

http://www.rundschau-online.de/kultur/kafka-in-duesseldorf-mogutschi-inszeniert--der-prozess-,15184894,17272980.html

no iframe tech

facebook twitter youtube vimeo linkedin
CultrD.us