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Der Prozess in Düsseldorf mit Josef K. - Kafka und Mogutschi
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Im Theater Düsseldorf unter Staffan Valdemar Holm eröffnete der am Alexandra-Theater in St. Petersburg tätige Andrej Mogutschi die Spielzeit in der Düsseldorf Kultur mit der Inszenierung von "Der Prozess" nach Franz Kafka.
Andrej Mogutschi stellte sich im Foyer des Theater Düsseldorf in einem 30-minütigen Interview der Art-Journalistin Karin Schedler (ehem. WDR/SWF) (simultan übersetzt von Stefan Schmidtke)
Er bezog Stellung zu diversen schon in der Presse diskutierten Fragen und Kritik-Versuchen.

Düsseldorf sei für ihn eine Stadt, "inder man sich gut erholen könnte". Diese Impression nähme er mit nach St. Petersburg.
Konkret angesprochen auf den Umstand, dass es sich bei Düsseldorf um eine Stadt der "bürgerlichen Mitte" handle, erzählte er "eine Geschichte" und zwar die Geschichte über das erste Zusammentreffen mit dem Düsseldorfer Freundeskreis Schauspielhaus Düsseldorf: " ... und plötzlich sagt einer der Herrschaften, die schon im fortgeschrittenen Alter waren, ... mit seinen rheinländischen ... und sagte allen, die da saßen: das ist Einer von uns ... das ist doch die Heimat des Punks ... die Stadt in der Joseph Beuys aktiv war ...".

Ebenfalls konkret stellte er die Wirkungskräfte der "bürgerlichen Mitte" heraus: " ... die bürgerliche Mitte ist die [ beste ] Mitte, aus der Moderne entsteht ... " und verweist auf die natürlicherweise bestehende Eigenartigkeit, " ... wenn bürgerliche Kunst in einem antibürgerlichen Establishment entstehen würde ... ". Sie, die "bürgerliche Mitte", böte die Grundlage, "um sich dort mit Aktionismus zu beschaeftigen", so wie es in St. Petersburg auch geschähe.

Angesprochen auf den in der Presse diskutierten Aspekt, dass das Stück zu lang inszeniert sei, sagte er, dass er dies mit seiner Ausstatterin und Bühnenbildnerin Maria Tregubova diskutiert hätte: " ... sie hatte gesagt: 1:30 - ich hatte gesagt: vielleicht 1:50 ... in anderhalb Stunden hätten wir nicht reingepasst mit unseren Gedanken, aber die drei Stunden reichen für das, was wir (sagen) wollen ...".

Bilder erdrücken Kafkas Text
VON ANNETTE BOSETTI (rp-online.de) - zuletzt aktualisiert: 17.09.2012 - 02:30
Düsseldorf (RP). Das Theater ist ein Universum. In diesem Universum liegt ein geiler Planet. Der einzige Nichtgeile auf diesem geilen Planeten ist Josef K., bekannt aus dem Romanfragment "Der Prozess". Er wird sterben und bis zu dem Moment, da man ihm die Gurgel durchschneidet, nach der Frage seiner Schuld suchen. "Ein Mensch ist nie frei von Schuld", heißt es bei Kafka.
In Düsseldorf zeichnet der russische Regisseur Andrej Mogutschi zur Spielzeiteröffnung die letzte Nacht von Josef K."s Leben nach. Sein surreales Drei-Stunden-Theater ist weit entfernt von der Rekonstruktion der literarischen Vorlage, die aus 16 unnummerierten Einzelkapiteln besteht, ein Stationendrama ist einst Markenzeichen des Expressionismus. Zwei russische Autoren haben einen Subtext unter die dramatisierten Kafka-Fragmente von 1915 gelegt. So erlebt der Zuschauer vor allem die Fantasien, die Alpträume und Illusionen eines Mannes, dessen Leben kaleidoskopisch noch einmal zusammengesetzt wird. Ein "geiles" Welten-Puzzle in Schwarz-Weiß-Rot.

...

Josef K. wandert verhalten durch wundersame Welten, trifft auf Kuhherden und nackte Menschen, und einmal ruht er sich aus im Arm eines Riesenbabys. In diesem zutiefst poetischen Bild schließt sich der Lebenskreis, hier ist endlich Vergewisserung, und Angst bleibt außen vor. Doch es ist erst Halbzeit.

Der Finne Carl Alm spricht als Josef K. leise mit Akzent. Fräulein Bürstner (Patrizia Wapinska) läuft als Jungstudentin über die Bühne, Betty Freudenberg ist die dralle Leni, Sven Walser ein abgetakelter Advokat, Claudia Hübbecker die statuarische Mutter, Dirk Ossig ein fordernder Onkel. Moritz Löwe, Jonas Anders, Taner Sahintürk, Pierre Siegenthaler, Christian Ehrich, Jonas Kerl, Bettina Kerl und Markus Danzeisen sie alle nehmen sich zurück, bleiben der Maxime untergeordnet, die lautet: Es regiert das Bild. Daher fühlt sich "Der Prozess" viel zu lang an und lässt viel Literatur als Leerstelle. Das ist schade.

http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/duesseldorf/nachrichten/kultur/bilder-erdruecken-kafkas-text-1.2996466


WDR 2 Die Kritiker - "Der Prozess": Kafka in der Bilderflut
Von Stefan Keim
Das Düsseldorfer Schauspielhaus setzt gleich zum Saisonbeginn Maßstäbe - jedenfalls, was opulente Bilder angeht. Die Bearbeitung von Franz Kafkas Roman "Der Prozess" ist aber nur halb gelungen.

Der russische Starregisseur Andrej Mogutschi inszeniert den "Prozess" im Düsseldorfer Schauspielhaus. Die Bühne hebt und senkt sich, Kulissen fliegen hinein, Schauspieler gleiten auf einem Boot durch sich bewegende Traumlandschaften. Das Düsseldorfer Schauspielhaus setzt gleich zum Saisonbeginn Maßstäbe, was opulente Bilder angeht. Dennoch ist die Bearbeitung von Franz Kafkas Roman "Der Prozess" nur halb gelungen.
In den Mühlen eines undurchschaubaren Systems

Die Geschichte hat an Gültigkeit nicht verloren. Ein Angestellter namens Josef K. gerät in die Mühlen eines undurchschaubaren Systems. Er ist angeklagt, weiß aber nicht, wieso. Ein Prozess wird vorbereitet, wann er beginnt, steht in den Sternen. Konkret ändert sich in K.s Leben zunächst nichts, aber er weiß, dass er beobachtet wird. Er begegnet seltsamen Menschen, einem dekadenten Anwalt, willigen Frauen, einem geheimnisvollen Maler. Das Ende bleibt offen. Kafka hat den Roman nicht vollendet, es ist nicht einmal klar, in welcher Reihenfolge die einzelnen Kapitel gelesen werden sollen. Da bleibt viel Freiraum für eine Bühnenbearbeitung.
Starregisseur aus St. Petersburg

In Düsseldorf arbeitet nun ein russisches Team rund um den Starregisseur Andrej Mogutschi aus St. Petersburg. Er ist dort Hausregisseur am Nationaltheater, spielt aber mit der freien Gruppe, die er vor 23 Jahren gegründet hat, auch auf der Straße. Mogutschi ist ein Mann fürs große Spektakel, er hat auch schon eine Oper im Innenhof des Kreml inszeniert. In Düsseldorf greift er in die Vollen, zeigt einen Bilderrausch in Schwarzweiß und lässt einen 70köpfigen Bürgerchor aufmarschieren. Alle tragen dunkle Anzüge, schwarze Hüte und weiße Hemden wie Josef K. Doch entgegen den großen Ankündigungen bleibt die Rolle des Chores klein. Der Hauptdarsteller Carl Alm kommt aus Finnland, was man an manchen seltsamen Betonungen hört. Ein hagerer, großer Mann mit Bart, der meist kerzengerade auf der Bühne steht und nur einmal Gefühle zeigt. Da zertrümmert er einen Konzertflügel, in dessen Inneren staubige Puppen liegen. Dieser Mann ist ein wandelndes Rätsel, ein Fremder, was den Zugang zur Aufführung erschwert. Denn zum Mitfühlen lädt dieser Josef K. nicht ein.

http://www.wdr2.de/kultur/kritiker/kafka100.html

Der Prozess Andrej Mogutschi inszeniert Kafkas Roman in Düsseldorf als opulentes Bildertheater
Zum letzten Mal Psychologie! - von Guido Rademachers (nachtkritik.de)

Düsseldorf, 15. September 2012. Schon toll, was sich mit Drehbühne, Hubpodium, Video, feinster Lichttechnik und top ausgestatteten Werkstätten alles anstellen lässt. Für den russischen Regisseur Andrej Mogutschi so viel Tolles, dass es gleich den Spielplan sprengte. Seine Theaterversion von Kafkas "Der Prozess" war zumal sich die Wiedereröffnung des Großen Hauses in Düsseldorf nach Sanierungsarbeiten verzögert hatte wegen des enormen technischen Aufwands in der letzten Spielzeit nicht mehr zu realisieren. Jetzt wurde sie als Eröffnungspremiere der neuen Saison nachgereicht.

Das Ächzen der Maschinerie
Kaum eine Sekunde Ruhe für die Techniker. Ein Boot schwebt vor der Kassettentür eines Zimmers, über dessen Wand per Video projizierte Käfer kriechen. Zwei in Mädchenkleider vom Anfang des letzten Jahrhunderts gestopfte Männer radeln auf einem Tandem durch einen wattewolkenbehangenen Bühnenhimmel. Die Drehbühne schraubt sich hoch und runter und präsentiert Kuhherden, Weizenfelder, brennende Häuser. Ein Zug fährt vorbei an surrealen Traumlandschaften, an Seen und schneebedecktem Hochgebirge.

Alles geschieht beeindruckend perfekt, aber bei jedem Absenken eines Podests, bei jedem Anspringen der Drehbühne scheint ein Ächzen der Maschinerie mitzuklingen, das einem zuflüstern will, dass solches Bildertheater doch nur das schlechtere Kino ist. Besonders, wenn es Schauspieler nur als Kostümpuppen hinzu zu arrangieren weiß.

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Was folgt, ist eine Last-Picture-Show. Eine in der Ästhetik entfernt an Tadeusz Kantor erinnernde Bilderserie, die eine grotesk-angestaubte Welt aus der Roman-Entstehungszeit von 1914/1915 zeigt und ihrerseits wiederum vollgepumpt ist mit psychoanalytischen Motiven. Damit hat sich die Blickrichtung im Vergleich zum Roman umgekehrt. Dort stand Josef K. unter Beobachtung; jetzt fällt sein bereits toter Blick auf die Welt. Im Zentrum, in dem der Protagonist stand, bleibt eine Leerstelle zurück, die auch der bühnentechnische Overkill der Inszenierung nicht mehr zu schließen vermag.
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5. Der Prozess, Düsseldorf: nicht grundlos bekannt
Schauspieler als Kostümpuppen? Der Hauptdarsteller hat den Sinn noch nicht verstanden? Mal ein bisschen Slapstick, mal eine kleine Gesangsperformance?
Der hochkompetente Theaterkritiker Herr Rademachers könnte sich vor der Verfassung seines Verrisses wenigstens die Mühe machen, Informationen (z.B. aus dem ausführlichen Programmheft) über die Intention des Regisseurs zu dieser Inszenierung einzuholen. Mogutschi ist nicht grundlos bekannt und vielfach ausgezeichnet für seine eigenwilligen Inszenierungen. Wie ignorant und arrogant darf (muss?) Kritik eigentlich sein, um sich als solche zu bezeichnen?
Statist ,

http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=7237:der-prozess-andrej-mogutschi-inszeniert-kafkas-roman-in-duesseldorf-als-opulentes-bildertheater&catid=38:die-nachtkritik&Itemid=40


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